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Titan Normvergleiche und technische Daten

Titan und Titanlegierungen werden international nach unterschiedlichen Werkstoffnormen und Bezeichnungssystemen klassifiziert. Je nach Anwendungsbereich und Herkunft können dabei unter anderem Bezeichnungen nach ASTM, AMS, DIN, EN oder ISO verwendet werden.

Für Konstruktion, Werkstoffauswahl und Beschaffung ist es daher wichtig, die verschiedenen Bezeichnungen richtig einzuordnen. Vergleichstabellen können dabei helfen, Titan Grades, Werkstoffnummern und internationale Spezifikationen gegenüberzustellen und geeignete Werkstoffe für eine technische Anwendung zu identifizieren.

Neben der Normbezeichnung spielen auch die technischen Eigenschaften des jeweiligen Titanwerkstoffs eine entscheidende Rolle. Dichte, Festigkeit, Elastizitätsmodul, Temperaturverhalten und weitere Kennwerte bestimmen, ob ein Werkstoff für die vorgesehenen Belastungen und Einsatzbedingungen geeignet ist.

Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über wichtige Titan-Normen, Titan Grades und technische Kennwerte sowie Vergleiche mit anderen metallischen Werkstoffen.

Titanwerkstoffe und internationale Normen im Vergleich

Titanwerkstoffe werden je nach Land, Branche und Anwendungsbereich nach unterschiedlichen Normen und Spezifikationen bezeichnet. Ein Werkstoff kann daher unter einer deutschen beziehungsweise europäischen Werkstoffnummer, einem ASTM Grade oder einer weiteren internationalen Spezifikation geführt werden.

Die folgende Übersicht stellt wichtige Bezeichnungen gebräuchlicher Titanwerkstoffe gegenüber. Sie dient als Orientierung bei der Werkstoffauswahl, technischen Spezifikation und internationalen Beschaffung.

Dabei ist zu beachten, dass vergleichbare Werkstoffbezeichnungen nicht automatisch eine vollständige technische Gleichwertigkeit bedeuten. Für die konkrete Anwendung sind immer die jeweils geforderte Norm, der Lieferzustand sowie die darin definierten chemischen und mechanischen Eigenschaften maßgeblich.

Titan Grade Werkstoff-Nr. Werkstoff / Kurzbezeichnung UNS ASTM Grade
Grade 1 3.7025 Reintitan / Ti 1 R50250 Grade 1
Grade 2 3.7035 Reintitan / Ti 2 R50400 Grade 2
Grade 3 3.7055 Reintitan / Ti 3 R50550 Grade 3
Grade 4 3.7065 Reintitan / Ti 4 R50700 Grade 4
Grade 5 3.7164 / 3.7165 Ti-6Al-4V R56400 Grade 5
Grade 7 3.7235 Ti-Pd R52400 Grade 7
Grade 9 3.7195 Ti-3Al-2.5V R56320 Grade 9

Hinweis: Normen und Spezifikationen können sich je nach Produktform und Lieferzustand unterscheiden. Für die konkrete Werkstoffauswahl sind daher immer die Anforderungen der jeweiligen Produktspezifikation maßgeblich.

Titanwerkstoffe für Luft- und Raumfahrt

Titanwerkstoffe spielen in der Luft- und Raumfahrt aufgrund ihrer hohen spezifischen Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und guten Eigenschaften bei erhöhten Temperaturen eine wichtige Rolle. Sie werden unter anderem für strukturelle Bauteile und technisch hoch beanspruchte Komponenten eingesetzt.

Neben dem eigentlichen Titan Grade ist in diesem Bereich die jeweilige Produktspezifikation von besonderer Bedeutung. Die sogenannten AMS (Aerospace Material Specifications) definieren Anforderungen an Werkstoffe und berücksichtigen dabei unter anderem die Produktform und den Lieferzustand.

Ein Titanwerkstoff kann deshalb – abhängig davon, ob er beispielsweise als Blech, Platte, Stab, Schmiedeprodukt oder Rohr eingesetzt wird – unterschiedlichen AMS-Spezifikationen zugeordnet sein.

Die folgende Übersicht zeigt einige typische Beispiele:

Titanwerkstoff Typische Produktform Beispiel Aerospace-Spezifikation
Grade 1–4
Reintitan
Stab / Schmiedeprodukt AMS 4921
Grade 5
Ti-6Al-4V
Blech / Band / Platte AMS 4911
Grade 5
Ti-6Al-4V
Stab / Schmiedeprodukt AMS 4928
Grade 9
Ti-3Al-2.5V
Rohr AMS 4943

Hinweis: Die genannten AMS-Spezifikationen dienen der Orientierung. Welche Spezifikation für ein konkretes Bauteil erforderlich ist, hängt unter anderem von Werkstoff, Produktform, Lieferzustand und den Anforderungen der jeweiligen Luft- und Raumfahrtanwendung ab.

Technische Kennwerte von Titan

Die technischen Eigenschaften von Titan werden nicht allein durch den Grundwerkstoff bestimmt. Titan Grade, Legierungszusammensetzung, Gefügezustand, Wärmebehandlung und Lieferform können die mechanischen und physikalischen Kennwerte deutlich beeinflussen.

Charakteristisch für Titan ist insbesondere die Kombination aus vergleichsweise geringer Dichte und hoher Festigkeit. Reintitan besitzt eine Dichte von rund 4,5 g/cm³; bei Ti-6Al-4V (Grade 5) liegt sie bei etwa 4,43 g/cm³. Damit ist Titan deutlich leichter als typische Stahlwerkstoffe.

Auch bei der Steifigkeit bestehen deutliche Unterschiede. Der Elastizitätsmodul von Titan liegt unter dem typischer Stahlwerkstoffe. Gleichzeitig können insbesondere hochfeste Titanlegierungen wie Grade 5 hohe mechanische Festigkeiten erreichen.

Die verschiedenen Titan Grades unterscheiden sich zudem deutlich voneinander. Während kommerziell reine Titanwerkstoffe eine hohe Korrosionsbeständigkeit und gute Verarbeitbarkeit mit moderater Festigkeit verbinden, können legierte Titanwerkstoffe gezielt auf höhere Festigkeit, bestimmte Temperaturbereiche oder besondere Einsatzbedingungen abgestimmt sein.

Für die Werkstoffauswahl sollte deshalb nie nur ein einzelner Kennwert betrachtet werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Dichte, Festigkeit, Steifigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Temperaturverhalten und den Anforderungen der jeweiligen Anwendung.

Titan im Werkstoffvergleich: Festigkeit und Gewicht

Bei der Bewertung eines Konstruktionswerkstoffs ist die Dichte allein nur bedingt aussagekräftig. Entscheidend ist vielmehr, welche mechanische Leistungsfähigkeit ein Werkstoff bei einem bestimmten Gewicht bietet. Eine wichtige Kenngröße dafür ist die spezifische Festigkeit – also die Festigkeit eines Werkstoffs im Verhältnis zu seiner Dichte.

Titanlegierungen können hier besonders günstige Eigenschaften erreichen. Sie verbinden eine vergleichsweise geringe Dichte mit hoher mechanischer Festigkeit und sind deshalb insbesondere für Anwendungen interessant, bei denen hohe Belastbarkeit und Gewichtsreduzierung gleichzeitig gefordert sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Titan grundsätzlich der bessere Werkstoff ist. Für die Werkstoffauswahl müssen zusätzlich Steifigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Temperaturbelastung, Bauteilgeometrie, Fertigungsverfahren und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Dichte und spezifische Festigkeit im direkten Vergleich

Die folgende Grafik zeigt, warum bei der Werkstoffauswahl nicht allein die Dichte entscheidend ist. Erst das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht – die sogenannte spezifische Festigkeit – ermöglicht eine aussagekräftige Bewertung für gewichtsoptimierte Konstruktionen.

Titan Grade 5 verbindet eine vergleichsweise geringe Dichte mit hoher mechanischer Festigkeit. Dadurch kann der Werkstoff insbesondere bei hoch belasteten Leichtbaukonstruktionen Vorteile bieten, wenn neben dem Gewicht auch Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und technische Einsatzbedingungen berücksichtigt werden.

Vergleich von Dichte und spezifischer Festigkeit von Magnesium, Aluminium, Titan Grade 5 und hochfestem Stahl.

Welcher Titanwerkstoff eignet sich für welche Anforderungen?

Die Auswahl eines geeigneten Titanwerkstoffs hängt von deutlich mehr Faktoren ab als von einzelnen Kennwerten wie Dichte oder Zugfestigkeit. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus mechanischer Belastung, Korrosionsbeständigkeit, Temperaturbereich, Bauteilgeometrie und Fertigungsverfahren.

Für Anwendungen, bei denen insbesondere eine hohe Korrosionsbeständigkeit und gute Verarbeitbarkeit gefragt sind, können Reintitanwerkstoffe wie Grade 1 bis Grade 4 geeignet sein. Mit zunehmendem Grade steigen dabei im Allgemeinen Festigkeit und Härte, während die Umformbarkeit abnimmt.

Grade 5 (Ti-6Al-4V) gehört zu den am häufigsten eingesetzten Titanlegierungen und verbindet hohe Festigkeit mit vergleichsweise geringem Gewicht. Der Werkstoff wird daher unter anderem für mechanisch hoch beanspruchte Bauteile und Leichtbauanwendungen eingesetzt.

Grade 7 zeichnet sich durch seine besonders hohe Korrosionsbeständigkeit aus, während Grade 9 (Ti-3Al-2.5V) eine interessante Kombination aus Festigkeit, Gewicht und Verarbeitbarkeit bietet.

Welche Titanlegierung technisch und wirtschaftlich geeignet ist, muss letztlich immer anhand der konkreten Bauteilanforderungen und der geforderten Werkstoffspezifikation beurteilt werden.

Häufige Fragen zu Titan-Normen und technischen Kennwerten

Welche Normen werden für Titanwerkstoffe verwendet?

Titanwerkstoffe werden international nach unterschiedlichen Normen und Spezifikationen bezeichnet. Je nach Produktform, Herkunft und Anwendungsbereich können unter anderem ASTM-, AMS-, DIN-, EN- oder ISO-Spezifikationen relevant sein. Zusätzlich werden Titan Grades und Werkstoffnummern zur eindeutigen Einordnung der Werkstoffe verwendet.

Sind unterschiedliche Titan-Normbezeichnungen direkt miteinander vergleichbar?

Vergleichstabellen ermöglichen eine erste Zuordnung verschiedener Werkstoffbezeichnungen. Eine ähnliche oder entsprechende Bezeichnung bedeutet jedoch nicht automatisch eine vollständige technische Gleichwertigkeit. Für die konkrete Anwendung müssen immer die Anforderungen der jeweiligen Norm, die Produktform, der Lieferzustand sowie die geforderten chemischen und mechanischen Eigenschaften berücksichtigt werden.

Warum unterscheiden sich die technischen Kennwerte verschiedener Titan Grades?

Die Eigenschaften eines Titanwerkstoffs werden unter anderem durch seine chemische Zusammensetzung, Legierungselemente, Gefügestruktur und Wärmebehandlung bestimmt. Deshalb können sich beispielsweise Festigkeit, Duktilität und Temperaturverhalten verschiedener Titan Grades deutlich unterscheiden.

Warum ist die spezifische Festigkeit von Titan wichtig?

Die spezifische Festigkeit beschreibt die Festigkeit eines Werkstoffs im Verhältnis zu seiner Dichte. Titanlegierungen können eine hohe mechanische Festigkeit mit vergleichsweise geringem Gewicht verbinden. Diese Eigenschaft ist besonders für Konstruktionen interessant, bei denen eine hohe Belastbarkeit bei möglichst geringem Bauteilgewicht gefordert ist.

Welcher Titan Grade ist für meine Anwendung geeignet?

Die Auswahl hängt von den konkreten Anforderungen der Anwendung ab. Neben Festigkeit und Gewicht können insbesondere Korrosionsbeständigkeit, Temperaturbereich, Umformbarkeit, Bauteilgeometrie, Fertigungsverfahren und die geforderte Werkstoffspezifikation entscheidend sein. Die Werkstoffauswahl sollte daher immer anhand des jeweiligen Bauteils und seiner Einsatzbedingungen erfolgen.

Sie benötigen Unterstützung bei der Auswahl eines Titanwerkstoffs?

Die Auswahl des geeigneten Titan Grades und der passenden Werkstoffspezifikation hängt von den technischen Anforderungen des Bauteils, den Einsatzbedingungen und dem vorgesehenen Fertigungsverfahren ab.

Form & Technik unterstützt Sie bei der Auswahl geeigneter Titanwerkstoffe und bei der Umsetzung technisch anspruchsvoller Bauteile. Gemeinsam betrachten wir Werkstoff, Geometrie, Fertigungsverfahren und Anwendung, um eine technisch und wirtschaftlich geeignete Lösung zu entwickeln.

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